Chancen für eine KI-gestützte Schul- und Unterrichtsentwicklung
von Yusuf Keskingöz
1. Einleitung
Künstliche Intelligenz (KI) hat das Potenzial, die Bildungslandschaft grundlegend zu verändern, indem sie neue Möglichkeiten für die Schul- und Unterrichtsentwicklung eröffnet. Als Gymnasiallehrer sehe ich vielfältige Chancen, KI-Technologien zu nutzen, um den Lernprozess zu individualisieren, die Unterrichtsvorbereitung zu erleichtern und datenbasierte Schulentwicklungsprozesse zu fördern.
In diesem Artikel werde ich konkrete Beispiele anführen, wie KI die Arbeit von Lehrkräften unterstützen und die Unterrichtsqualität insgesamt verbessern kann. Dabei möchte ich besonders auf die Bedürfnisse und Herausforderungen einer Schulgemeinschaft in unserer heutigen Zeit eingehen.
2. Bedürfnisse eines Gymnasiums im Jahre 2025
a. Herausforderungen
Die Sicherung der Unterrichtsqualität steht an vielen Schule vor vielen Herausforderungen. Darunter fällt zum einen eine heterogene Schülerschaft, die seit Jahren zunimmt. Dies führt zu großen Leistungsunterschieden, die es im Unterricht zu bedienen gilt.
Zudem muss betont werden, dass die Individualisierung der Lernprozesse zusammen mit einem immer stärker verinnerlichten Adaptivitätsanspruch seitens der Schüler nach alternativen und individuell ausgerichteten Unterrichtsformaten verlangt. In vielen Gymnasien gibt es Inklusionsklassen, in der Kindern mit dem Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung“ (GENT) eingegliedert werden.
Eine weitere Herausforderung bezieht sich auf die Lehrkräfte, die immer mehr Verwaltungsaufgaben übernehmen müssen, die im laufenden Unterrichtsbetrieb aufrechterhalten werden müssen. Dazu zählen Unterrichtsfeedbacks, Lernstandsrückmeldungen, Elterngespräche per Mail, Exkursionen, Korrekturen von Klassenarbeiten sowie die Verwaltung von Fehlzeiten.
b. Unterstützungsmöglichkeiten
- Heterogenität und Adaptivität: Lernstandsrückmeldungen und Differenzierung, z.B. mit ARES, QUOP, ChatGPT, DALL-E
- Inklusion: Didaktische Reduktionen und alternative niveaugerechte Materialien bzw. Methoden für Schüler mit GENT-Profil
- Verwaltung: Elternbriefe, Emails und Tabellenerstellung z.B. mit ChatGPT
Der Referenzrahmen Schulqualität Baden-Württemberg (2023) erwähnt die „Adaptive Hilfestellungen“ als Qualitätssatz unter dem Qualitätsbereich „Lehren und Lernen“ mit den Worten: „Die Lehrpersonen zeigen den Schülerinnen und Schülern auf, wie sie digitale Medien lernförderlich nutzen können und nutzen diese selbst, um adaptive Hilfestellungen anzubieten.“
ChatGPT ermöglicht der Lehrkraft anfangs eigenständig erstelle Materialien nach diesen Aspekten auszudifferenzieren. Hierfür eignet sich ein Prompt wie: „Füge den Aufgaben in meinem Arbeitsblatt zwei weitere Aufgaben hinzu. Die eine sollte eine deutlich leichtere Variante von der ersten sein, die zweite eine deutlich schwierigere Variante der letzten.“
Das ARES-System (Annotated Reading Enhancement System) ermöglicht es Schülern aus Vorbereitungsklassen Deutsche bzw. Englische Texte zu lesen, wobei sie durch das Anklicken einzelner Wörter Übersetzungen in ihrer Muttersprache angezeigt bekommen können.
3. Diskussion
Kurzfristig betrachtet lassen sich diese Systeme zur Entlastung und Unterstützung der Lehrkräfte schnell in den Unterrichtsalltag integrieren. Langfristig könnte man KI-Systeme in einer weiterentwickelten Form nutzen, um den obengenannten Herausforderungen gerecht zu werden.
Schüler könnten auf ihre Arbeitsblätter digital zugreifen und auf einer KI-basierten Plattform Lerngerüste oder andere Hilfestellungen erhalten, ohne ihre Zone der proximalen Entwicklung zu verlassen. Digitale Prüfungsformate könnten die Lehrkräfte ebenso entlasten, indem Klassenarbeiten bereits auf Grundlage des Fachcurriculums KI-basiert erstellt und anschließend vorkorrigiert werden.
Quellen
Institut für Bildungsanalysen Baden-Württemberg (2023). Referenzrahmen Schulqualität Baden-Württemberg. Ausgabe 2.1.
Plass, J. L., & Pawar, S. (2020). Toward a taxonomy of adaptivity for learning. Journal of Research on Technology in Education, 52(3), 275-300.



